"Sie können dummes nicht regeln" - Das ist die Kernaussage eines leitenden Ingenieurs bei Drive Savers, der ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert.

Der U.S Anbieter "DriveSavers", ein Spezialist für die Datenrettung von beschädigten Datenträgern, bricht mit einem jahrzehntelangen Tabu unter Herstellern und spricht die Szenarien an, die seitens der Spezialisten nicht gelöst werden können. Schaut man sich den deutschen Rettungsmarkt an so wird recht viel Blödsinn geschrieben, von 99 % Erfolgsquote ist dort häufiger die Rede und jeder der sich mit der Data Recovery Branche näher beschäftigt, weiss dass solche Aussagen vor allen den Zweck erfüllen sollen, dass ein Kunde einen Rettungsauftrag platziert, denn scheitert die Rettung bei solchen Anbietern "widererwarten", so erhält der Kunde nichts und wird trotzdem noch ordentlich mit mehreren hundert Euro zur Kasse gebeten.

Um so abwechslungsreicher ist ein Artikel über Drive Savers, der kürzlich bei Tech Republic erschienen ist und unterstreicht welche Szenarien eines Defekts nicht rettbar sind. Viele Rettungsunternehmen investieren Ihr Marketing-Budget in Pressemeldungen oder irgendeine andere Form zur "Selbstbeweihräucherung", um Klickrate, Sichtbarkeit und Branding zu stärken. Das nur ein Bruchteil dessen der Wahrheit entspricht, mag Techniker stören, jedoch sicherlich nicht die Marketingabteilung solcher Unternehmen.

Mike Cobb, Leitender Ingenieur bei DriveSavers, sagte das seine Techniker zumeist bei Rettungsfällen die durch menschliche Fehler verursacht wurden an Ihre Grenzen stoßen: "Es gibt verschiedene Szenarien wo wir sagen müssen, dass im Falle eines menschlichen Fehlverhaltens und bei dieser Art von spezifischem Fehlerbild, es wohl besser für den Kunden wäre auf ein Backup zurückzugreifen", so Cobb.

Gemäß Cobb, relativieren seine Techniker regelmäßig die Erwartungen solcher Kunden herunter die bereits eine gewisse Anzahl an Versuchen unternommen haben die Daten selbstständig wiederherzustellen und dabei typische Anfängerfehler begangen haben. "Die häufigsten Gründe für eine Datenwiederherstellung ist die versehentliche Löschung von Daten. Hierbei löschen Kunden Daten oder komplette Backups um Speicherplatz für neue oder zukünftige Backups zu schaffen und bemerken es zumeist zu spät."

Fehlerhafte Backups von Datenbanken sind in diesem Kontext ebenfalls häufig ein Grund für solche Kunden ein Rettungsunternehmen zu konsultieren.

Cobb sieht zudem ein generelles Problem bei Unternehmen die einen Datenverlust zu beklagen haben und die Lösung des Problems in die Hände unerfahrener Systemhäuser geben. "Menschliche Fehler nach einem aufgetretenen Ausfall eines Speichermediums ist eine Ursache mit der wir es sehr häufig zu tun haben. Ich kann Ihnen eine ganze Reihe von Beispielen aufführen, besonders im Umfeld von US-Großunternehmen bei denen der Ausfall zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens auftritt", sagt Cobb. "So gibt es IT-Verantwortliche die schlichtweg keine Erfahrung im Bereich der Wiederherstellung von ausgefallenen RAID Systemen haben, bei denen zeitgleich mehrere Festplattenfehler aufgetreten sind. Statt eines fehlerhaften Laufwerks wird versehentlich das falsche Laufwerk aus dem Rack gezogen und versucht das System zwingend wieder online zu setzen. Es fehlt daran alle Feinheiten und Hintergründe zu kennen, wie man einen Fehler zu lösen versucht."

Eine solche Situation kann nach einem plötzlichen Stromausfall auftreten, hiernach wird ein Ersatzlaufwerk (Spare) fälschlicherweise mit einem leeren Laufwerk verwechselt. Das Raid startet nach dem Stromausfall einen Reboot und zeigt keinerlei Fehler an, jedoch fragen die Applikationsserver das Ersatzlaufwerk an und finden dort keine Daten.

"Ein weiteres Beispiel ist das kopieren von einem Laufwerk zum Anderen, jedoch in die falsche und unerwünschte Richtung. So etwas ist nicht wiederherstellbar, deswegen sollte man Tools zum Schreibschutz in seinem Equipment haben, wenn man so etwas professionell machen möchte", sagt Cobb. Der Fehler ist so alt wie eine Diskette und löst meistens Verwirrung aus wenn man es mit zwei Laufwerken gleicher Größe und Typs zu tun hat.

Ein weiteres Beispiel, was die Ingenieure von DriveSavers die Köpfe schütteln lässt: "Gerade bei einer preisgünstigen technischen Ausstattung tritt folgender Fehler sehr häufig auf: Ein Consultant fährt einen Rebuild an einem RAID System und fragt dann nach einem zuvor erstellten Backup, jedoch war das Backp gerade das RAID-System an dem er arbeitet. Exakt dies sind die Leute, die uns das Leben schwer machen", so Cobb halbernst. "Es gibt eine Generation von IT-Leuten da draußen, die immer davon ausgehen, dass es immer irgendwo ein Backup gibt."